Verbandsreise - CHINA - 18. bis 29. April 2006

Unsere diesjährige Verbandsreise führte uns in das "Reich der Mitte". Von Peking über Luoyang und Xian nach Shanghai.

Nach den eher aufwändigen Reiseplanungen und -vorbereitungen, ein jeder Teilnehmer benötigte natürlich auch ein Visum, ging es am Dienstag den 18. April endlich los. Unter den 28 Teilnehmern war zum ersten Mal auch eine Abordnung unserer Kollegen von der AMAG - Ranshofen mit von der Partie.

Ein ruhiger Nachtflug brachte uns am darauf folgenden Vormittag nach Peking. Nach den überstandenen formularreichen Einreiseformalitäten wartete bereits unser Reisebetreuer "Lie" vor dem Flughafen. Er kümmerte sich auf der gesamten Reise um unser Wohl. Nach einem kurzen Aufenthalt im Hotel, einem Gespräch mit dem Reiseleiter wer die Trinkgelder für die Kofferträger, die unsere Koffer von Hotel zu Hotel zustellten, und die örtlichen Reiseleiter übernimmt, konnte unser vielseitiges Besichtigungsprogramm beginnen.

Die ersten vier Tage unserer Rundreise waren Peking und seiner Umgebung gewidmet. Die Stadt selbst bereitet sich schon für die bevor stehenden Olympischen Spiele im Jahre 2008 vor. Viele im Bau befindliche Hochhäuser und neue Straßen zeugen bereits von dem bevorstehenden Ereignis. Wir wollten uns aber mit der jahrtausende Alten Geschichte dieser Kaiserstadt befassen, denn Peking wurde bereits vor etwa 3 000 Jahren gegründet und zunächst Ji ("Schilf") genannte. Die Siedlung erlangte als Handelsplatz große Bedeutung und wurde 475-221 v. Chr. Sitz des Herzogs von Jan.

Als erstes besuchten wir den attraktivsten und bestens erhaltenen Lama Tempel. Er entstand in den Jahren 1744 -1745 durch Umwandlung einer Prinzenresidenz. Es handelte sich dabei um ein kaiserliches Projekt, dessen politischer Sinn darin bestand, dem Lamaismus als Religion des zuvor einverleibten Tibet in der Hauptstadt eine offizielle Heimstatt zu geben. Die Anlage ist in fünf Höfe eingeteilt wobei im fünften Hof das gewaltigste Bauwerk, der Pavillon des Zehntausendfachen Glücks steht. Hier wird eine gigantische Sandelholzstatue des Maaitreya in Bodhisattwagestalt mit insgesamt 18m Höhe und 3m im Durchmesser verehrt.

Am nächsten Tag ging es in das Herz von China, mit dem Himmelstempel, dem Kaiserpalast und der Verbotene Stadt. Der Himmelstempel ist eine Sakralanlage mit dem dazugehörenden Altar des Ernteopfers aus dem Jahre 1420. Hier betete der Kaiser für eine gute Ernte. Das Bauwerk - 38m hoch und 30m im Durchmesser - ist wie in der chinesischen Holzbauweise üblich ohne Verwendung von Nägeln erbaut.
Unsere eingeplanten Essen gab es fast immer in einem typischen chinesischen Volksrestaurant mit runden Tischen und einer drehbaren Glasplatte auf der die verschiedensten Gerichte aufgestellt wurden. Tee ist bei jedem Essen inbegriffen, eine Flasche Bier 3/4l musste mit 10 Yuan ca. 1 Euro bezahlt werden.
Nach dem Mittagessen ging es zum "Platz des Himmlischen Frieden" mit einem Ausmaß von 500x800m. Damit gilt er als größter innerstädtischer Platz der Erde. Er bildet den Mittelpunkt des sozialistischen China. Anschließend erstreckt sich der Kaiserpalast, auch "Verbotene Stadt" genannt. Diese Anlage, die in ihren Ursprüngen auf die Yuan-Dynastie (1271-1368) zurückgeht, ließ der Yongle-Kaiser der Ming-Dynastie von 1406 - 1420 zu seiner heutigen Größe ausbauen.
Im Zuge einer Rikschafahrt durch einen Pekinger Altstadtbezirk mit einfachen ebenerdigen Unterkünften kamen wir auch in einen Kindergarten und zu einer Familie in einem typischen chinesischen Altstadthaus. Die Einrichtung war zwar spartanisch aber ein eher nicht gepflegter Kühlschrank, Mikrowellenherd und Fernseher gehörten bereits zur Ausstattung. Vieles wäre für uns heute unvorstellbar.
"Wer nicht auf der Großen Mauer war ist kein echter Kerl". Dieser beliebte Spruch zeugt von der hohen Bedeutung, welche die Chinesen diesem einmaligen Monument beimessen. Auch wir konnten dieses Bauwerk mit einer durchschnittlichen Höhe von 6 bis 8m und einer Breite von 6 - 7m am Badalin Pass begehen. Auch unsere Gruppe mischte sich unter Weltenbummler und Einheimische und quälten sich, vorbei an fliegenden "Handeler", auf der steil ansteigenden Mauer mit teilweise unregelmäßig hohen Stufen den Berghang hinauf um den gebirgigen Verlauf der Mauer überblicken zu können.
Da wir von der Besteigung der Mauer noch nicht müde genug waren besuchten wir an diesem Tage noch die Qing-Gräber aus den Jahren 1665 - 1908. Die Geisterallee mit Steinfiguren bildete den Weg zu den Gräbern.
Der letzte Tag in Peking begann mit einer Bootsfahrt auf den landschaftlich herrlich großen Stausee (Longging-Xia) inmitten von steilen Felshängen.
Bevor es zum Bahnhof ging um mit dem Nachtzug nach Luoyang zu fahren besuchten wir noch den "Sommerpalast" mit einem 290 ha großen Park. Der ursprüngliche Privatgarten ist der größte in China. Bereits 1153 ließ ihn der Kaiser unter dem Namen "Garten des goldenen Wassers" anlegen.

Nach einer Nacht in einem für uns reservierten Liegewagen 1. Klasse kamen wir am nächsten Morgen in Luoyang an. Nach einem reichlichen Frühstück im Hotel ging es zum Kloster Shaolin im Songshan-Gebirge. Das Kloster ist die Geburtsstätte des Chan-Buddhismus, den der indische Mönch Bodhidharma zu Beginn des 6. Jh.s. begründete.
Neben dem Kloster liegt der Pagodenwald, in dem über 220 Grabpagoden aufgestellt sind. Von 791 bis 1803 wurden hier die berühmtesten Äbte und Mönche des Klosters beigesetzt. Anschließend besuchten wir die 1988 neu eröffnete Shaolin Kampfsportschule. Eine Vorführung zeigte uns die Künste dieser Sportart. Absolventen der Schule werden gerne als Leibwächter angestellt.
Am darauf folgenden Morgen konnten wir zuerst den Peony Garden bewundern wo zu dieser Jahreszeit alle Arten von gezüchteten Pfingstrosen blühten.
Eine besondere Sehenswürdigkeit in den Longmenshan-Bergen sind aber die "Longmen (Drachentor)-Grotten" die zu den wichtigsten Höhlentempeln Chinas gehören. Außer den 1352 Grotten umfasst diese buddhistische Kultstätte auch 750 Nischen und 40 Pagoden. Die ersten Höhlen sind aus dem Jahre 494 n. Chr., als die Nördliche Wei-Dynastie (386-534), die den Buddhismus förderte, ihre Hauptstadt nach Luoyang verlegte.

Am Nachmittag brachte uns die Bahn nach Xian. Im Zug wo durch einen Kabelbrand die Klimaanlage, bis zum Eintreffen eines Technikers ausgefallen war, verkauften Schaffner neben ihrer Arbeit auch verschiedenes Spielzeug. Xian stellt eine der sechs historischen Hauptstädte Chinas dar. Vom Jahr 1027 v. Chr. an diente es elf Dynastien als Regierungssitz. Die Stadt ist vermutlich jedoch schon 6 000 Jahre alt. Eine 14km lange Stadtmauer aus der Ming - Zeit wurde 1368-1398 mit einer Höhe von 12m und einer Breite von 18m erbaut und schützte so die Altstadt.
Der darauf folgende Tag war zuerst der sehr sehenswerten Anlage, dem Grab des Qin Shi Huangdi mit der Terrakotta-Armee gewidmet. Der Herrscher erteilte im Jahre 246 im kindlichen Alter von 13 Jahren den Auftrag zum Bau der Anlage, bei dem 700 000 Arbeiter mitwirkten. Handwerkern wurde befohlen, Armbrüste so anzubringen, dass jeder eindringende Räuber erschossen würde. Die auf drei Sektoren verteilte Terrakotta-Streitmacht hat das Grab des ersten Kaisers nach Osten hin zu bewachen. Der rechte Flügel des unterirdischen Heeres umfasst allein 6 000 tönerne Soldaten und Pferde in Lebensgröße, zahlreiche Streitwagen und Waffen. Am linken Flügel wurden noch einmal 1 500 Terrakotta Figuren - Pferde, Streitwagen und 2 000 Waffen - ausgegraben. Die noch nicht erforschten Grabkammern sollen mit Nachbildungen von Palästen sowie mit schönen Gefäßen, kostbaren Steinen und Raritäten gefüllt sein.
Bei der Stadtbesichtigung sahen wir noch den 33m hohen Trommelturm aus dem Jahre 1370 und die kleine Wildganspagode mit einer Höhe von 45m. Diese wurde im Jahre 684 zu Ehren des Tang-Kaisers Gaozong errichtet.
Nach einer Fabrik für Süßwasserperlen in Peking stand hier eine Fabrik für Seidenteppiche und -tücher sowie eine Produktion für Jadefiguren am Programm. Die Betriebe waren ein Eldorado für unsere Frauen. Da auch die Preise sehr günstig waren, war die Versuchung zum Einkaufen sehr groß.
Um auch die bereits müden Füße wieder in Schwung zu bringen gab es am heutigen Abend noch eine 60 Minuten lange chinesische Fußmassage. Alle Teilnehmer waren von der Arbeit so beeindruckt, dass sie es auch für Österreich anregten.
Bevor es diesmal zum Flughafen ging besuchten wir noch die "Große Wildganspagode" die Prinz Li Zhi in der ersten Hälfte des 7. Jh. s zu Ehren seiner Mutter erbauen ließ.

Per Flugzeug ging es nun nach Shanghai, der Metropole mit 19 Mio. Einwohnern. Auch Shanghai, dessen Name "über dem Meer" bedeutet, bereitet sich für eine Großveranstaltung vor. Es hat für 2010 die Ausrichtung der Weltausstellung zugesprochen bekommen. Diese Stadt ist derzeit in einer stürmischen wirtschaftlichen Entwicklung die einen Bauboom mit sich bringt. Ganze Stadtteile werden abgerissen, stattdessen Hochhäuser und Stadtautobahnen hingestellt. Fast 200 Universitäten, Fachschulen und Forschungsinstitute machen diese Stadt aber auch zu einem Wissenschaftszentrum. Obwohl auch für Fahrräder Steuer bezahlt werden muss sind sie nach wie vor ein wichtiges Verkehrsmittel, denn Nummerntafeln für Autos werden hier nur in einer geringen Stückzahl öffentlich versteigert.
Gerade angekommen unternahmen wir eine Stadtrundfahrt bei Nacht. Mit den vielen Lichtreklamen und dem vielseitigen Nachtleben unterstreicht diese Stadt den Namen "Manhattan des Osten".
Bei einer, am nächsten Tag durchgeführten Stadtbesichtigung konnten wir auch die bewusst erhaltenen alten Teile der Stadt bewundern. Der 1559 von einem hohen Beamten im Suzhou-Stil angelegte Yuyuan-Garten mit seinen über 20 000m2 ist so ein Beispiel. In Mitten eines Teiches liegt hier auch ein sehr beliebtes Teehaus. Den Geschmack der damaligen Zeit spiegelt vor allem die Haupthalle Sansui Tang mit ihrem Dachschmuck und den drachengeschmückten Mauern wider.
Der Jadebuddha Tempel beherbergt zwei Shakyamuni-Statuen die der Mönch Huigen 1809 aus Birma mitgebracht hat. Die beiden Skulpturen wurden jeweils aus einem einzigen Stück weißer Jade gehauen. Der sitzende Shakyamuni hat eine Größe von 1,9m und der kleinere liegende Shakyamuni ist knapp einen Meter lang. Durch Spenden konnte er schließlich auch den dazu passenden Tempel bauen.

Am letzten Tag der Reise führte uns ein Ausflug nach Suzhou, in die Stadt der Seide und Venedig des Ostens genannt. Berühmt ist Suzhou auch wegen seiner vielseitigen Gartenanlagen und der darin gezüchteten Bonsaibäume in verschiedenen Arten.
Unsere Wanderung durch die herrlich angelegten Gärten begann im Garten "der Politik des Einfachen Mannes". Der malerische Garten entstand im 16 Jh. an der Stelle eines früheren Buddhistenklosters. Weiters wanderten wir durch den 3ha großen "Garten des Verweilens" den ein Herr Liu im Jahre 1800 anstelle einer ming-zeitlichen Anlage bauen ließ. Zuletzt ging es durch den Garten "des Meisters der Netze", den sich 1140 der Vorsitzende des kaiserlichen Geschichtsschreiberamtes als Residenz errichtete.
Das Mittagessen gab es an diesem Tag noch in einem mongolischen Restaurant. Hier konnte man sich am Buffet sein Essen zubereiten und die dazupassenden rohen Fleischstückchen aussuchen und braten lassen.
Den Abschluss der Reise bildete noch ein Besuch in einer Seidenfabrik wo man den Werdegang von der Seidenraupe bis zum fertigen Produkt verfolgen konnte. Auch hier wurden noch schnell Seidendecken oder -hemden sowie -blusen oder -stoffe gekauft.

Wie alle vorherigen Reisen ging auch diese viel zu schnell ihrem Ende entgegen. Nach einem kleinen Abschiedstrunk im Hotel ging es zeitlich in der Früh mit dem Maglev Train (300 km/h) zum Flughafen. Nach einem langweiligen Einchecken und mehreren Kontrollen wo es immer um Formulare und die Pässe ging saßen wir wieder im Flugzeug der AUA und strebten der Heimat zu. Nach einem 12stündigen Flug erreichten wir am Nachmittag Wien.
Ich kann nur feststellen dass auch das Land China eine Reise wert war.

Eisenkölbl

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