Viel Sehenswertes gab es in Helsinki und Petersburg

Am Freitag den 31. Mai um 9,30 Uhr trafen sich am Flughafen Schwechat reiselustige Teilnehmer aus den Landesstellen Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Kärnten zu unserer neuntägigen Reise in den nördlichen Teil Europas. Pünktlich um 14 Uhr kamen wir in Helsinki an, wo bereits unsere Reiseleiterin "Helena" und der Busfahrer "Seppo" warteten. Nach dem einchecken im Hotel war die Zeit bis zum Abendessen für erste Erkundigungen von Helsinki frei. Da sich unser Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofes befand konnte in dieser Zeit bereits das Zentrum rund um den Marktplatz und den Senatsplatz in Augenschein genommen werden. Nach dem Abendessen warteten alle auf das Einbrechen der Nacht. Aber wir konnten es nicht erwarten!!!

Am nächsten Tag war die Stadtrundfahrt erst für 12 Uhr angesetzt und so blieb genug Zeit um einen Kaufhausbummel zu machen und die Preise zu vergleichen. Bei der Höhe der Preise gab es zumeist Erstaunen. Eine Ansichtskarte 1,- € und ein Glas Bier 0,4Liter € 5,- sogar eine Briefmarke nicht wie bei uns € 0,51 sondern € 0,60. Bei diesen Preisen wurde die Lust zum Schreiben sehr stark eingebremst. Um Punkt 12 Uhr ging es nun los zur Stadtrundfahrt. Die finnische Hauptstadt liegt zum größeren Teil auf einer stark zerklüfteten Halbinsel aus Granit. Erst nachdem 1809 Russland Finnland eroberte, wurde der Sitz der Hauptstadt von Turku nach Helsinki verlegt. Aus der schwedischen Zeit ist durch mehrere Stadtbrände, die die Holzbauten zerstörten, heute nichts mehr übrig geblieben. Der neoklassizistisch gestaltete Stadtkern rund um den Senatsplatz erinnert eher an St. Petersburg. Nach dem Zusammenbruch des russischen Zarenreiches wurde im Jahre 1917 in Helsinki die Republik Finnland ausgerufen. Aus der Zeit des russischen Einflusses gibt es noch die 1868 erbaute und mit 13 vergoldete Kuppeln gekrönte "Uspenski-Kathedrale" als orthodoxe Hauptkirche des Landes. Der schmale, hohe Sakralbau geht auf volkstümliche Vorbilder alter russischer Holzkirchen zurück. Auf dem unweit vom Hafen liegenden Senatsplatz steht seit 1894 ein Bronzestandbild des Zaren Alexander II. Von hier geht eine imposant breite Treppe zur lutherischen Domkirche, die 10m höher auf einem Granitfelsen liegt. Die Domkirche ist nicht zuletzt durch ihre erhöhte weithin sichtbare Position zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Das geräumige Innere mit der großen Hauptkuppel wirkt mit seinen weiß getünchten, schmucklosen Wänden sehr schlicht. Am Senatsplatz steht auch das Ritterhaus, das Regierungspalais, die Universitätsbibliothek und das ehemalige Ständehaus. Auf der Weiterfahrt zum Luftfahrtmuseum in Vantaa konnten wir noch sehen wie in Finnland Teppiche gereinigt werden. Sie werden auf einem, der am See eigens aufgebauten Tischen mit duftenden Waschmitteln gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Im Museum konnten wir an Hand der 72 ausgestellten Fluggeräten die Geschichte der Luftfahrt nachvollziehen. Zum Abendessen gab es in einem stilvollen Landgut ein hervorragendes Buffet aus Rohstoffen von der Umgebung sowie ein selbst zubereitetes bierähnliches Getränk.

Am dritten Tag ging es zuerst zur Seefestung Suomenlinna. Diese Schwedenburg wurde beginnend mit dem Jahre 1748 als Bollwerk zur Verteidigung des Schwedischen Reiches gebaut und sollte dem aufstrebenden Russland die Zufahrt zur Ostsee abriegeln. In 40 jähriger Bautätigkeit entstanden hier Mauern, Befestigungsanlagen, Wohnhäuser und eine große Werft. Im Jahre 1806 wohnten hier 4 600 Personen. Die Festung fiel im schwedisch - russischen Krieg an die Russen und wurde in der Zeit zur großen Garnison ausgebaut. Nach der Erringung der Unabhängigkeit zog 1918 das finnische Militär ein. Nach dem Bürgrkrieg diente die Insel als großes Gefängnis und heute ist sie ein Freizeit- und Kulturgebiet. 1991 wurde die Insel von der UNESCO in die Liste des Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Anschließend besuchten wir in Espoo das größte Automuseum Finnlands. Die Sammlung mit 130 Oldtimern zeigt die Geschichte des Autos in Finnland. Viele für uns noch bekannte Fahrzeuge konnten hier bewundert werden. Jeder erinnerte sich an die Anfänge der Autofahrerzeit.

Nun am vierten Tag gab es einen Ausflug in das Landesinnere. Unser erster Halt war in Hämeenlinna die Burg Häme. Hier erwartete uns ein junges Mädchen das zum ersten Male eine deutschsprachige Führung machen musste. Alle wollten ihr natürlich helfen und so wurden oft Wörter auf verschiedene Weise ausgelegt. Die im Norden der Stadt am Ufer des Vanajavesi-See thronende Festung wurde im Jahre 1260 von dem schwedischen Reichsvorsteher Birger Jari als Militärbasis angelegt und gehört heute zu den wenig erhaltenen mittelalterlichen Backsteinbauten Finnlands. Die Burg wurde1639 fertiggestellt, aber nie belagert oder gar eingenommen und ist daher gut erhalten. Im Jahre 1837 wurde sie zum Gefängnis umfunktioniert, nachdem diese einige Jahrzehnte lang als Getreidespeicher gedient hatte. Nach der Besichtigung fuhren wir mit dem, eigens für uns bereitgestellten, Schiff auf dem 23 km langen und landschaftlich herrlichen Vanajavesi - See bis Littala. Angebotene Erfrischungsgetränke, das schöne Wetter und die herrliche Landschaft ließen die ca.3 Stunden lange Schiffsfahrt am offenen Deck wie im Flug vergehen. Am Ufer standen immer wieder Landhäuser mit einer am Seeufer befindlichen Sauna. In Littala angekommen besuchten wir ein Museumsdorf wo es verschiedene einheimische Handwerkskunst zu kaufen gab und sowohl eine Glas- als auch eine Süßigkeitsproduktion gezeigt wurde. Weiter ging es nach Hattula. Die Kirche vom Heiligen Kreuz aus dem 14./15.Jh. ist neben der Burg Hämeenlinna und den Dom von Turku der einzige Backsteinbau aus dem Mittelalter. Das gotische Gotteshaus war während der Zeit des Katholizismus eine in ganz Skandinavien bekannte Wallfahrtsstätte. Farbenfrohe Wandmalereien aus dem 16. Jh. veranschaulichen biblische Szenen von der Weltschöpfung bis zum jüngsten Gericht. Am Abend gab es in einer Tenne eines finnischen Landgutes wieder ein Buffet mit Spezialitäten der Region. Der anschließende Kaffee oder Tee, der hier zu jedem Essen angeboten wird, wurde im nebenstehenden Landhaus serviert.

Am fünften Tag wurden die Koffer wieder gepackt und weiter ging es entlang der Königsstrasse in Richtung russischer Grenze. Unser erster Halt war in Porvoo einer idyllischen Stadt in einer Bucht des finnischen Meerbusen. Bei einem Rundgang wanderten wir durch die mittelalterliche Stadtanlage mit ihren malerischen kleinen Häusern (selbstverständlich aus Holz) und den sich schlängelnden, mit Katzenkopfpflastern versehenen Gassen. Zwischen den winkeligen Gassen auf dem Hügel befand sich auch der 1978 vollständig renovierte Dom. Im Inneren wurde 1909 ein Bronzestandbild des Zaren Alexander I. aufgestellt. Es soll an den 1809 in Porvoo abgehaltenen Landtag erinnern, auf dem der Zar die Unantastbarkeit der finnischen Verfassung und Religion garantiert. Am Nachmittag ging es weiter nach Kotka unserem Tagesziel. Vor der Einfahrt nach Kotka besuchten wir noch die, an den Stromschnellen liegende, kaiserliche Fischerhütte, die der finnische Senat 1889 dem Zaren Alexander III. schenkte. Im Hotel angekommen verließ uns unsere finnische Reiseleiterin "Helena" womit unsere Gruppe mit dem nur finnisch und englisch sprechenden Busfahrer "Seppo" und einem Formular für die russische Zollerklärung zurück blieb.

Am nächsten Tag fuhren wir also in Richtung Grenze, bewappnet mit unseren Reisepässen einem Visum und einer Zollerklärung wo unsere Devisen und der Schmuck unserer Damen eingetragen war. Bei der russischen Grenze angekommen, wurden am ersten Schlagbaum unsere Visa kontrolliert. Bei der Grenzstelle mussten wir dann aussteigen um im Grenzgebäude alle unsere Formulare kontrollieren zu lassen. Inzwischen wurde der Bus auf weitere menschenähnliche Wesen kontrolliert und anschließend über die Grenze geschickt wo wir wieder einsteigen durften. Nur unsere Zollerklärung wurde erst nach mehrmaliger Aufforderung mit dem amtlichen Stempel versehen. Nun sollte alles erledigt sein. Nein, einige zig Meter weiter war der nächste Schlagbaum an dem unsere Pässe auf das Vorhandessein des Einreisestempels kontrolliert wurden. Aber jetzt war alles in Ordnung und es konnte in Richtung St. Petersburg weitergehen. Nach einigen Kilometern in Vyborg wartete bereits die russische Reiseleiterin "Irene" auf uns, die nun bis zum Flughafen für unseren Reiseablauf verantwortlich war. In St. Petersburg im Hotel Pulkowskaja angekommen, bezogen wir nachdem uns wieder die Pässe zur Kontrolle abgenommen wurden rasch unsere Zimmer. Das Hotel hatte 1 500 sehr gut ausgestattete Zimmer und einen Theatersaal sowie eine hervorragende Bar. Hier kostete ein 0,5 Liter großes Bier nur mehr 100 Rubel oder 3,5 Dollar bzw. 5,- Euro. So einfach war in Russland die Umrechnung Dollar - Euro. Im Durchschnitt mussten für 2 Dollar 3 Euro aufgewendet werden. Hier hat der Euro noch nicht seinen Wert erreicht. Es konnte aber alles in Rubel bezahlt werden und der Wechselkurs bei den Banken oder im Hotel war sehr wohl nach internationalen Standard 1Euro= ca.28Rubel.

Die nächsten dreieinhalb Tage gehörten natürlich der nördlichsten Millionenstadt, der jüngsten europäischen Großstadt, der Stadt mit dem romantischen Duell und den meisten Revolutionen. Ein Großteil unserer Gruppe hatte sich noch für die zusätzlich angebotenen Abendprogramme entschieden, womit wir oft zeitlich ins Schleudern kamen.

Auch der russische Präsident Putin, war mit ausländischen Delegationen in der Stadt und damit er uns nicht in die Quere kommt versuchten wir unser Programm zeitig am Morgen zu beginnen. Zuerst ging es in die heutige Stadt Puschkin, wo Peter der I. seiner Gemahlin 1708 einen Landsitz schenkte. 1725 wurde dieser Landsitz zur kaiserlichen Residenz mit dem Namen Zarskoje Sjelo (Zarendorf) erhoben. Im Laufe der Jahre wurde daraus ein grandioses Ensemble mit festlich und üppig dekorierter Fassade (Länge 30m), einer Paradetreppe und einer durchgehenden Saalflucht mit prächtigem vergoldeten Schnitzwerk, Spiegeln und Bernsteindekor. Einen malerischen Anblick verlieh auch der Alexanderpark. Dem nicht genug ging es sofort weiter zur Sommerresidenz Pawlowsk. Schloss Pawlowsk ist ein Beispiel für die russische Architektur, für die ein klarer baukünstlerischer Anblick und erlesener Dekor kennzeichnend ist. Das harmonische und einheitliche Ensemble von Pawlowsk ist im Laufe eines halben Jahrhunderts geschaffen worden.. In einem vornehmen russischen Stadtlokal war unser Abendessen reserviert. Bei der Fahrt dorthin kam uns der Putin-Konvoi doch noch in die Quere und kostete wertvolle Zeit. Es wurde nämlich der komplette Straßenzug abgesperrt.

Am nächsten Morgen bei der Stadtbesichtigung versuchten wir wieder dem Putin-Konvoi auszuweichen was leider nicht immer gelang. Dadurch war unsere Irene, aus Angst uns nicht alles zeigen zu können, immer nervös. Die Festung Peter und Paul bildete 1703 den Kern für die künftige Hauptstadt des russischen Kaiserreiches. Sie wurde oftmals in Kampfbereitschaft gebracht, doch hat sie niemals an militärischen Handlungen teilgenommen. Ihr kam eine andere Rolle zu. Sie wurde zur "russischen Bastille", zum politischen Hauptgefängnis des kaiserlichen Russlands. Hier alle Einzelheiten über das, bei der Stadtrundfahrt Gesehene beschreiben zu wollen würde den Umfang bei weitem sprengen. Zum Beispiel die Isaks - Kathedrale, die Kasaner Kathedrale, die Christi - Auferstehungs - Kirche, die Nikolaus - Morskoi - Kathedrale, das Marientheater, den Kreuzer Aurora mit der Nachimow - Marineschule. Petersburg hat unendlich viele sehenswerte Gebäude, Kathedralen Paläste und Museen. Am Nachmittag ging es mit dem Tragflügelboot zum Peterhof. Wir näherten uns nun der Sommerresidenz, die Peter der Große im Jahre 1705 geschaffen hatte, vom Meer her und konnten damit den herrlichen Anblick des etwas erhöhten Schlosses mit den weltweit größten Fontänen-Komplex auf uns einwirken lassen. Sehr beeindruckend waren die Paradesäle des Schlosses - der Thronsaal, das eichenvertäfelte Kabinett Peter des Ersten, der Gemäldesaal und der Weiße Salon. Anschließend ging es wieder zurück in die Stadt, wo wir unser geschmacklich sehr gutes Abendessen rasch einnahmen mussten um noch rechtzeitig zu unseren Abendprogrammen zu gelangen. Ein Teil wollte sich das Nussknacker Ballett ansehen und ein anderer Teil die Don Kosaken, wozu wir wieder bedingt durch den Putin-Konvoi verspätet eintrafen. Immer wieder Putin.

Am letzten Tag besuchten wir noch am Vormittag, bereits mit den Koffern im Bus, das größte Museum Russlands "die Eremitage". Als Gründungsjahr der Eremitage gilt das Jahr 1764, als die Kaiserin Katharina II. 225 Gemälde von Westeuropäischen Meistern bei dem Berliner Kunsthändler Gotzkowski erworben hatte. Gegenwärtig gehören zum Museumsfundus etwa 3 Millionen Exponate. Das sind Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Werke der angewandten Kunst, archäologische Denkmäler sowie eine Münzen- und Medaillensammlung. Um die Exponate in allen vierhundert - Eremitage - Sälen kennen zulernen, müsste man einen Weg von 22km zurücklegen. Wir waren nach 3 Stunden Aufenthalt bereits von der Vielfalt überwältigt.

Anschließend ging es am raschesten Weg zum Flughafen, wo wir uns von "Irene und Seppo" verabschiedeten und ohne Probleme über Frankfurt nach Wien zurück flogen. Damit war wieder eine sehr sehenswerte Reise zu Ende, die zwar im Vorfeld viele kleine Probleme hatte aber dafür während der Fahrt fast wie am Schnürchen ablief. St. Petersburg hat sich seit unserer letzten Reise vor 14 Jahren gewaltig verändert. Es ist alles freier geworden, die Menschen sind offener, man kann alles kaufen, wenn der Rubel reicht, man fühlt sich nicht mehr beobachtet und der Tourist wird auch hier bereits als Geldbringer beachtet. An den Bauten und Strassen bemerkt man sehr wohl noch immer die Schwäche der russischen Wirtschaft.

Bedanken möchte ich mich hier noch bei allen Teilnehmern für die zwanglose Art und die hervorragende Disziplin während der ganzen Reise, ohne die eine Harmonie nicht zustande kommen würde.

Eisenkölbl

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