Besichtigung der Hoerbiger Ventilwerke

Hört der Österreicher den Namen Hörbiger, erinnert er sich an den unvergesslichen Burgmimen Attila oder an den Volksschauspieler Paul. Einigen ist aber auch der Name Alfred Hörbiger ein Begriff, ein anerkannter, akademischer Maler der 20er Jahre. Wenige jedoch wissen, dass die Erfindungen ihres Vaters Hanns Hörbiger eine aufsehenerregende und wichtige Entwicklung des letzten Jahrhunderts im technischen Bereich - Maschinenbau - einleiteten: Das HOERBIGER - Ventil.

Hanns Hörbiger erkannte Ende des 19. Jahrhunderts die vier wichtigsten Bedingungen, die ein Ventil erfüllen müsste:

Anforderungen, die wohl auch noch für die nächsten hundert Jahre Gültigkeit haben. Am 14. Mai gab es die Gelegenheit, die Werksanlagen der Firma HOERBIGER in Wien - Simmering zu besichtigen. Seit der Gründung im Jahre 1896 hat sich im Unternehmen natürlich vieles verändert, aus einem Familienunternehmen wurde die weltweit agierende HOERBIGER Holding AG, die in den Unternehmensbereichen Kompressor-, Automatisierungs- und Antriebstechnik in 39 Ländern und an 72 Firmenstandorten tätig ist und insgesamt ca. 3.900 Mitarbeiter beschäftigt. Das Stammwerk Wien hat nach wie vor die Leitung des Unternehmensbereichs Kompressor-technik. Mit 397 Mitarbeitern - davon 249 in der Produktion, der Rest in Verwaltung und Konstruktion wurde 2001 ein Umsatz von ATS 706 Mio erwirtschaftet. Jährlich werden an die 10 Lehrlinge ausgebildet. Nun genug der Statistik. Bei der Führung durch die Produktion konnten wir die Herstellung der Ventile ausgehend vom Stangenmaterial bis zum versandfertigen Ventil verfolgen. Die Ventilplatten aus Stahlblech verschiedener Stärken werden meist gestanzt, die Schnittwerkzeuge werden im betriebseigenen, gut ausgestatteten Werkzeugbau hergestellt. Größere Ventilplatten-Dimensionen werden auf NC-gesteuerten Laser-Schneidmaschinen gefertigt, die bei einer Vorschubgeschwindigkeit bis zu 2,5 m/min das Schneiden von beinahe allen Werkstoffen erlauben. Sehr wichtig im Hinblick auf die Strömungsgeschwindigkeit ist das Entgraten und die Kantenverrundung. Dies geschieht mit Hilfe von Strahl-, Bürst-, Schleif- und Läppmaschinen, bzw. in Scheuertrommeln. Jede Ventilplatte wird in der Endkontrolle genauest geprüft und im Zwischenlager abgelegt. Die Fertigungslogistik ist SAP-gesteuert und sehr effizient. Da bei Losgrößen 1 bis max. 50 die Rüstzeiten sehr ins Gewicht fallen, wurde dafür folgende hervorragende Lösung gefunden: Es stehen immer zwei CNC-Drehmaschinen einander gegenüber, eine mit harten, die andere mit weichen Spannbacken ausgerüstet. Beispiel Losgröße 4 Stück: Die Rüstzeit bei herkömmlicher Vor- und Fertigbearbeitung auf einer Maschine würde 40 Minuten betragen, (bei einer Gesamt-Stückzeit von 3,7 Minuten), bedingt durch Backenwechsel, Backen vorbereiten und ausdrehen. Durch die "Parallelbearbeitung" wird die Rüstzeit auf 6 Minuten reduziert. Auch die CNC-Bearbeitungszentren sind mit zwei Hauptspindeln ausgerüstet, so können in einem Arbeitsgang zwei Werkstücke hergestellt werden.

Da immer mehr Dichtelemente aus glasfaserverstärkten Kunststoffen eingesetzt werden, ensteht eine eigene, spanabhebende Fertigung dafür. Staunen war angesagt, als wir hörten, dass manche Ventilausführungen mit einer Genauigkeit von 0,05 bar endgeprüft werden. Derzeit beträgt die Durchlaufzeit vom Bestelleingang bis zur Auslieferung 4 Wochen.
Normalerweise wird im Zweischicht-Betrieb gearbeitet, bei großem Bestellvolumen wird auf eine dritte Schicht erweitert.

Im Anschluss an die Besichtigung der Fertigung besuchten wir das hauseigene HOERBIGER - MUSEUM, wo das Leben und Schaffen des Multitalents Hanns Hörbiger dokumentiert ist, der eine Ausnahmepersönlichkeit seiner Zeit war. Neben der revolutionierenden Erfindung des Stahlplattenventils war er auch als Astronom eine anerkannte Kapazität. Für seine außergewöhnlichen Leistungen auf diesem Gebiet, die ihren Höhepunkt in der Formulierung der Welteiszeitlehre fanden, wurde er posthum durch die Benennung des Mond-Ringgebirges mit seinem Namen geehrt. Auch die Post ehrte diesen großen Österreicher mit einer Sonderpostmarke. Abschließend wurde uns noch ein hochinteressanter Video-Film gezeigt, der anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Unternehmens entstand. Ergänzend zur Firmenchronik hat man hier das österreichische Zeitgeschehen und die Kulturszene des vergangenen Jahrhunderts in Ausschnitten eingeblendet. Der langanhaltende Applaus zeigte, welchen Anklang diese gelungene Veranstaltung bei allen Teilnehmern fand, in deren Namen ich mich an dieser Stelle bei den Herren Ing. Thomas Fietz und Franz Karl herzlich für die sehr kompetente Führung bedanken möchte.

K.M.

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