Landesstelle Kärnten und Steiermark

Jour Fixe Innovationsgespräche

Am Mittwoch den 19. Juni 2002 trafen sich Kärntner Kollegen, aufgebessert von einigen Wissensdurstigen aus Wien um die Fa. Mahle näher kennen zulernen und etwas über deren Arbeitsabläufe zu erfahren. Die Firma ehemalige Fa. Knecht Filterwerke liegt 40km südöstlich von Klagenfurt im kleinen Ort St. Michael ob Bleiburg und ist heute in der MAHLE - Stiftung, weltweit mit 19 Produktionsstandorten und 6 000 Mitarbeitern, eingebettet. Heute ist sie einer der bedeutendsten Hersteller von KFZ-Filtern weltweit. Das Produktionsprogramm umfasst Luft-, Öl-, und Kraftstoff-Filter, hauptsächlich für Verbrennungsmotoren, sowie Fahrgastraumfilter, Aktivkohlefilter und Saugmodule.

Pünktlich um 15 Uhr empfing uns Herr Dipl.-HTL-Ing. Hermann Micheu um uns über die Firma, die Aufgaben der Qualitätssicherung, und den Fertigungsablauf zu berichten. Die anschließende Besichtigung rundete unser Programm ab. Drei Stunden waren für das gesamte Programm vorgesehen und durch das vielfältige Interesse der Teilnehmer waren es zum Schluss 4,5 Stunden und Herr Micheu beantwortete nach wie vor alle unsere Fragen.

Nun zu den Ausführungen des Herrn Dipl.-HTL-Ing. Micheu der für die Statistische Prozessregelung verantwortlich ist und damit einen weitreichenden Einblick über die Abläufe in der Firma hat. Da die Lieferungen der Firma Mahle überwiegend an die Autoindustrie gehen und 65% der produzierten Filter direkt den Automobilhersteller verkauft werden ist hier auch ein hoher Qualitätsstandard erforderlich. Der allgemeine Leitsatz in der Produktion ist die NULL Fehler Philosophie. Um sich einen Prozent Fehleranteil vor Augen führen zu können wurden folgende Vergleiche gezogen:

Damit gäbe es 22 000 falsche Buchungen in den Geldinstituten
2 schlechte Landungen in Frankfurt pro Tag
1 Stunde verschmutztes Trinkwasser.

Die Firma ist in der Automobilindustrie als A-Lieferant gemäß VDA eingestuft. Von Ford wurde sogar der international anerkannte "Q1-Award" vergeben. Fast selbstverständlich sind dabei die Zertifizierungen nach DIN EN ISO 9001, QS 9000, ISO/TS16949, VDA 6.1 und ISO 14001 (Umwelt). Durch eine hohe Motivation und laufende Schulungen konnten die Mitarbeiter zu Selbstprüfer gemacht werden. So sind nur wenige Qualitätsprüfer notwendig und die Qualitätskosten können damit gering gehalten werden.

Ca. 1300 Mitarbeiter produzieren jährlich 62 Mio. Filter die zu 84 Prozent exportiert werden und einen Jahresumsatz von 225 Mio. ausmachen. Damit ist die Fa. Mahle nicht nur, als zweitgrößter, produzierender Betrieb auf Kärnten begrenzt. Es gibt auch Zulieferanten aus dem gesamten österreichischen Raum, die zum Bespiel große Mengen an Blech, Guss- und Kunststoffteile, Dichtungen sowie Verpackungsmaterialien zuliefern.

Bemerkenswert ist auch, dass man sich hier nicht auf den Staat oder andere verlässt sondern ein hohes Augenmerk auf die eigene Ausbildung seiner zukünftigen Facharbeiter legt. Es gibt eine Lehrwerkstätte mit 65 Auszubildende. Der Schwerpunkt liegt bei Betriebselektriker, technische Zeichner, Maschinenbautechniker Prozessleittechnikern und vor allem bei Werkzeugmacher da der Werkzeugbau in Zukunft wesentlich vergrößert werden soll. Werkzeuge für die Produktion sollen vermehrt im Hause und nicht im Stammwerk in Deutschland hergestellt werden.

Beim anschließenden Rundgang konnten wir die Flussfertigung beobachten, auf denen die verschiedenen Filter von den Blechbändern über Stufenpressen, automatische Lackieranlagen bis zur Bestückung und Verpackung gelangen. Auch die Produktion der dazugehörenden Filtereinsätze laufen über Fließbänder.

Als Neuentwicklung werden auf den Kunststoffspritzmaschinen mit einer Schließkraft von 400t, Halbschalen für Ansaugkrümmer produziert und anschließend durch eine Reibschweißung zusammengefügt. Diese Ansaugkrümmer aus Kunststoff sind innen wesentlich glatter als die bisherigen Gusskrümmer damit bringen sie dem BMW-Motor einige PS mehr Leistung, was dem Auto wieder mehr Kraft ohne zusätzlichen Treibstoff verleiht. Ein weiteres neues Produkt wird die Fertigung der Pleuelstangen. Diese werden komplett fertiggestellt. Anschließend wird die Oberfläche auf der Lagerseite elektronisch eingeritzt und wie eine Fließe gebrochen. Die geringe Rauigkeit an den Bruchflächen ist kein Problem da die beiden Halbschalen wieder an der selben Stelle zusammengefügt werden. Hier noch ein Satz der mir aufgefallen ist: Wer glaubt etwas zu sein Hört auf etwas zu werden.

Nach dem Rundgang hat uns die Firmenleitung auf ein Gulasch und ein Bier in das nahegelegene Gasthaus eingeladen. Dabei wurden weitere Zukunftsprojekte der Firma diskutiert. Erst gegen 21,30 Uhr verabschiedeten wir uns von Herrn Micheu. Hier möchten wir uns im Namen des Verbandes auch bei der Firmenleitung für die sehr interessante Führung in einem österreichischen Vorzeigebetrieb bedanken. Wir konnten auch für uns wieder einige gute Anregungen mitnehmen.

Eisenkölbl

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