Verbandsreise - MAROKKO - 20. April bis 4. Mai 2004

Strömender Regen und Treffpunkt 5 Uhr 45 am Flughafen Schwechat konnten eigentlich nur eine gute Voraussetzung für unseren Flug nach Marokko zu den berühmten Königsstädten sein.

Casablanca erwartete uns bereits mit Sonnenschein und die wilden Wellen des Atlantiks vermittelten Urlaubstimmung. Bei der ersten Stadtrundfahrt mit unserem Reiseführer Hassan sahen wir schon von weitem die Moschee Hassan II, die wir am nächsten Tag von Innen besichtigen sollten. Von Rikk's Café in Casablanca "Schau mir in die Augen Kleines ..." sahen wir leider nichts, da es erst nach unserem Abflug eröffnet wurde.

Die Moschee Hassan II (Vater des derzeitigen Königs Mohammed VI) wurde 1993 eröffnet und bietet als zweitgrößte Moschee 100.000 Gläubigen Platz. Sie ist mit einem Schiebedach ausgerüstet, die Lautsprecher sind architektonisch so platziert, dass sie für das ungeübte Auge nicht erkennbar sind, es gibt Fußbodenheizung und die Ausstattung ist aus feinstem Marmor. Da wir nur Touristen waren, hat man die kostbaren Teppiche leider nicht für uns ausgerollt. An der Spitze des 200 m hohen Minaretts sind drei Goldkugeln, die den Islam, das Judentum und das Christentum symbolisieren. Sie wiegen zusammen 3700 kg. 4 Kugeln haben die Bedeutung von Erde, Wasser, Luft und Salz, 7 Kugeln stehen für die Tugenden des Islams.

Weiter ging die Fahrt nach Rabat, der zweitgrößten Stadt, mit ihrem Wahrzeichen, dem Hassan-Turm. Das Mausoleum von Mohamed VI und das "Tor des Windes" gehören zu den absoluten Sehenswürdigkeiten. Hassan, unser Reiseleiter, war an diesem Tag marokkanisch gekleidet: Schellaba aus weißer Seide (langes Kleid mit Kapuze im Gegensatz zum Kaftan, der ohne Kapuze ist), weißes Hemd, weiße Seidenhose und gelbe Babuschen (ganz flache, spitze Lederpantoffeln, bei denen das Fersenleder eingetreten ist). Wir tranken zum ersten Mal das marokkanische Nationalgetränk: "Whisky marocaine" (frische Pfefferminzblätter werden mit Grünem Tee übergossen). Die Geschmacksnerven unserer Gruppe reagierten unterschiedlich darauf.

Da es vor unserer Ankunft in Marokko relativ viel geregnet hatte, führte uns die Fahrt von Rabat nach Meknes durch eine wunderschöne, blühende Landschaft. Marokko wird auch als Baum bezeichnet, dessen Wurzeln in Afrika liegen und seine Krone bis Europa reicht. Dies bedeutet eine Verbindung von Tradition und Modernität.

In Meknes besichtigten wir das Mausoleum Moulay Ismails und das berühmteste Tor Marokkos: das Bab El Mansour, die riesigen Getreidespeicher, die heute als Drehort für Filme genutzt werden und die Pferdeställe, die mit dem Gestüt von Piber und den Lipizzanern sicher nicht mithalten können. Dafür hörten wir von den 4 Bestandteilen des Glücks: gute Frau, gutes Heim, guter Nachbar und gutes Reittier.

Am Freitag, 23.4., fuhren wir nach Volubilis, wo wir die Ausgrabungen besichtigten und weiter nach Moulay Idris, der heiligen Stadt des Islams. Dort konnten wir nicht nur mittelalterliche Gewinnung von Olivenöl sehen, sondern hatte nach einem stiegenreichen Aufstieg einen wunderbaren Blick über die Stadt und konnten den Muezzin zum Freitagsgebet rufen hören. Anschließend führte uns der Weg weiter nach Fes.

Waren wir bis jetzt immer nur durch die Souks (Märkte) mehr oder weniger getrieben worden, so wurde Fes neben den Sehenswürdigkeiten (Hassan II-Straße, Batha Palast) der absolute Höhepunkt, den Euro in Marokko zu lassen. Es ging durch Färbereien und Webereien und natürlich auch in die Ledergerberei, wo die Arbeiter unter altertümlichsten Bedingungen und Chemikalien das Leder gerben. Kupfer, Bronze und Silbergegenstände - alles in Handarbeit hergestellt - bekamen wir zu sehen und zu kaufen. Wir besuchten auch die Kinder in der Koranschule, die sich sichtlich über unsere mitgebrachten Kleinigkeiten freuten. Die berühmte blaue Keramik aus Fes durfte ebenfalls nicht zu kurz kommen. Wobei es interessant war zu sehen, dass die von der Olivenöl-Herstellung übergebliebenen Reste zum Heizen der Brennöfen verwendet wurden.

Nachdem wir also in Fes unser Geld und unsere Nerven gelassen hatten, konnten wir uns bei einem marokkanischen Abend mit Couscous, gebratenem Gemüse, Volkstanzgruppe, Jongleur, Zauberer und natürlich Bauchtänzerinnen erholen.

Fes war der absolute Höhepunkt an Eindrücken der verschiedensten Art.

Nach diesem anstrengenden Tag ging es beschaulich weiter nach Erfoud. Wir fuhren über den Mittleren und Hohen Atlas durch wunderschöne Landschaft über Ifrane (Skiort im Winter, Sommerfrische für die reichen Marokkaner) und den Zad-Pass (2178 m). Die bizarren Felsenformationen mit den dazwischen liegenden Oasen waren ein einmaliges Erlebnis.

Montag, den 26. April, wurden wir im wahrsten Sinne des Wortes in die Wüste geschickt. Um 5 Uhr früh ging es mit den Jeeps dem Sonnenaufgang ins Erg Chebbi, mit seinen weit über 100 m hohen Sanddünen. Wer wollte, konnte die Dünen auf dem Kamelrücken erklimmen, oder man marschierte zu Fuß der Sonne entgegen, wobei sich bei dieser Art bei manchen schwere Konditionsmängel bemerkbar machten. Egal wie man auf den höchsten Punkt kam, das Schauspiel der aufgehenden Sonne mit den Sanddünen war einfach überwältigend. Nach einem kurzen Ausflug zum Dayet Srji See (Vogelschutzgebiet) bekamen wir unser wohlverdientes Frühstück.
Frisch gestärkt ging es dann zu einem Steinverarbeitungsbetrieb, in dem die in Marokko reichlich vorhandenen Fossilien geschliffen werden - unter Arbeitsbedingungen, die man sich bei uns nicht vorstellen kann.
In Rissani war das Mausoleum des Moulay Ali Charif auf dem Programm, dessen sehr gut erhaltener Zustand in krassem Gegensatz zu den verfallenen Häusern stand. Aufgrund von Trockenheit und Absterben der Dattelpalmen durch eine Krankheit ist Rissani zu einer verarmten, von Abwanderung bedrohten, Stadt geworden. Bei den Dattelpalmen gibt es übrigens männliche und weibliche, die weiblichen tragen die Datteln, müssen aber von den männlichen bestäubt werden.
Nach all diesen Eindrücken war uns ein Nachmittag im Hotel am Pool vergönnt. Wenn wir gewusst hätten, dass dies - wetterbedingt - der einzige war, hätten wir ihn sicher noch mehr genossen.

Die Fahrt ging weiter zur Todraschlucht, die wir bei herrlichem Wetter durchwanderten. Auf dem Weg nach Tineghir machte uns Hassan auf die "zweite" Flagge Marokkos aufmerksam: Die vielen schwarzen Nylonsäcke, die überall herumflatterten und von den Bäumen wehten. Auf dem Weg nach Ouarzazate kamen wir ganz zufällig wieder bei einem Teppichgeschäft vorbei. Obwohl uns Hassan erklärte, wir würden durch einen Kauf die armen Berberfrauen unterstützen, war das bei der riesigen Verkaufsfläche und dem Geschäftssinn der Inhaber nur schwer nachvollziehbar, dass sie sehr viel von dem Gewinn abbekamen.

Der Nachmittag war einer Oasenwanderung gewidmet, wo man uns bei einer kleinen Flussüberquerung erst die Steine zum Überqueren wegräumte, um dann für das Hinlegen wieder Bakschisch verlangte. Bakschisch ist das wohl gebräuchlichste Vokabel in Marokko.
In Ouarzazate hatten wir das erste Mal ein echt muslimisches Hotel: Es gab absolut keinen Alkohol, d.h. nicht einmal ein kleines Bier zum Abendessen. Dafür gab es einen Spirituosenhandel in der Nähe, bei dem uns Hassan am nächsten Tag mit Getränken versorgte, denn - mitgebrachtes durfte getrunken werden!

Von Ouarzazate aus machten wir einen Ausflug ins Draatal, einer einzigartigen Palmenoase, weiter nach Zagora an den Rand der Sahara, den wir bei größter Mittagshitze durchwanderten, wobei sich etliche Brandblasen an den Füßen holten. In Tamegroute warfen wir einen Blick in die Alte Bibliothek, in der wir den Stammbaum Mohameds gezeigt bekamen. Zagora ist der Ausgangspunkt nach Timbuktu. 52 Tage brauchte eine Kamelkarawane für diesen Weg durch die Wüste.

Am Freitag, dem 30.4. war es soweit, dass wir uns auf den Weg zur letzten Königsstadt machten: Marrakesch.
Das Wetter war kühl aber sonnig, und so konnten wir die Fahrt über den Hohen Atlas, der von frischem Schnee bedeckt war, genießen,. In Ait Ben Haddour besichtigten wir die Kasbha (großes Dorf), die als Filmkulisse für "Lawrence von Arabien" und "Sodom und Gomorah" diente. Trotz dieser Filmkulisse wusch eine Frau ihre Wäsche in altgewohnter Weise in dem kleinen Fluß, um sie dann auf den Sträuchern zum Trocknen aufzuhängen. Auf der Passhöhe Tizi n'Tichka (2270 m) empfing uns ein rauer Wind doch das Wetter war klar und so konnten wir die traumhafte Berglandschaft ins Tal nach Marrakesch genießen.

Ein Höhepunkt jeder Marokkoreise ist Marrakesch - eine Stadt, so ewig wie der Schnee auf den höchsten Gipfeln und so tief in der Geschichte verwurzelt wie Palmen in der Erde. Stadt der vier Farben: Blau wie der Himmel, Weiß wie der Schnee, Grün wie die Parkanlagen und Rot, die Farbe Mohameds.

Den ersten Abend widmeten wir dem Djemaa el Fna-Platz "Platz der Geköpften", besser bekannt wohl als "Platz der Gaukler". Hier herrscht pulsierendes Leben von allen erdenklichen Spielleuten, Schlangenbeschwörern, Tanzgruppen usw. Auch die lukullische Seite kommt nicht zu kurz: ein Essenstand neben dem anderen, und die Köche preisen ihre Speisen lauthals an. Trotz der niedrigen Temperaturen bekamen wir einen unvergesslichen Eindruck.

Der 1. Mai gehörte Marrakesch. Wir wanderten durch den Menara Garten mit seinen Olivenahinen, die Mohamed V Straße, besichtigten den Bahia-Palast und natürlich die Medina (Altstadt) mit ihren unzähligen Geschäften.

Am Abend stand der Besuch einer Fantasia Show auf dem Programm, wo unter anderem Beduinenstämme ihre Reitkünste vorführten. Die Anlage war wirklich beeindrucken, doch bei den Aufführungen brauchte man viel Fantasie, um sie fantastisch zu finden!

Agadir war unser letztes Ziel. An der Atlantikküste entlang gelangten wir in das kleine Hafenstädtchen Essaouira, wo man herrlichen Fisch essen konnte, wenn man Glück hatte, bedient zu werden (Personalmangel).
Auf der Fahrt nach Agadir erlebten wir zum Abschluss noch einen richtigen Sandsturm mit Regen und waren froh, dass wir im Bus saßen.

Wir hatten Glück, dass sich die Hotels in ihrer Zimmer- und Essensqualität immer weiter steigerten. Das Hotel Le Tivoli Agadir war einfach super. Auch hier gab es eine herrliche Pool-Anlage und der Atlantik war nicht weit entfernt. Leider war uns der Wettergott nicht hold. So mussten wir unsere letzten Dirhams und Euros noch beim Einkaufen ausgeben.

Der Tag der Abreise zeigte sich von seiner schönsten Seite und mit einem weinenden und einem lachenden Auge traten wir die Heimreise an. Es war wieder eine gelungene Reise geworden, die einen tiefen Einblick in eine andere Welt gab.

Renate Pregesbauer

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