Landesstelle Wien/Niederösterreich

Besichtigung der neuen Brief- und Paketverteilzentren in Wien

Am 10. November 2005 konnte sich eine Gruppe von 20 erwartungsvollen Damen und Herren ein Bild vom Ergebnis der gewaltigen Investitionen machen, die hier getätigt wurden (über 120 Mio. Euro in das Briefzentrum, 38 Mio. Euro in das Paketverteilzentrum) und die es möglich machen, dass 95 % aller Postsendungen am Werktag nach dem Absenden und 9 von 10 Paketsendungen innerhalb von 48 Stunden nach Aufgabe zugestellt werden.
Doch der Reihe nach und zunächst zurück zum Briefzentrum:

Nach einem Einführungsvortrag führte uns Herr Wimmer, zuständig für Qualitätsmanage-ment, durch die Anlagen: Man kommt hinein und aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das hochmoderne Briefzentrum der Österreichischen Post AG liegt im Süden von Wien - und ist selbst eine Millionenstadt: Bis zu 5 Millionen Sendungen ( in der Weihnachtszeit bis zu 6,5 Millionen) werden hier täglich entgegengenommen, in kilometerlangen Anlagen sortiert, verteilt und auf ihren Weg zum Empfänger geschickt. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Die gesamte Post - Briefsendungen, Info-Mails, Zeitungen, Anzeigenblätter - aus und in die Region Wien/Niederösterreich/Burgenland wird an diesem Standort zusammengefasst und verteilt. Damit werden rund 50 % des gesamtösterreichischen Brief- und Info-Mail-Aufkommens hier bearbeitet. 30.000 m2 Hallenfläche bieten Platz für ca. 5 km Fördertechnik, 57 Verladetore für LKWs, 1 Kommissionieranlage, 1 Großbriefverteilanlage, 10 Grob- und 7 Feinverteilmaschinen und 3 Flatsorter. Hochwertige Technik, intelligente Steuerungen und ausgeklügelte Logistik werden eingesetzt um die gewaltigen Mengen an Post rasch zu bewältigen. Wesentlich für die schnelle Bearbeitung ist es, dass möglichst viele Sendungen von den opto-elektronischen Geräten erkannt, also maschinell gelesen werden und damit durchgängig automatisch sortiert werden können. Herr Wimmer verabsäumte nicht, darauf hinzuweisen, dass man als Postkunde den reibungslosen Ablauf der automatisierten Briefverteilung unter-stützt, indem man die einfachen Regeln der korrekten Adressierung beachtet. Damit die tagesaktuelle Bearbeitung zeitkritischer Sendungen gewährleistet werden kann, musste für die Region Wien/N.Ö./Bgl. die Anlieferung der Sendungen in das Briefzentrum komplett geändert werden. Das neue Kursgefüge konnte die Fahrten pro Postfiliale deutlich verringern, z.B. indem die Leerung sämtlicher Briefkästen jetzt erst nach 16.00 Uhr erfolgt.

Die in Behältern im Briefzentrum eintreffenden Sendungen werden in der Kommissionier-anlage den diversen Bearbeitungsmodulen zugeführt - und nach der Bearbeitung wieder in den Abgangsbereich zurückgebracht. Der Prozess läuft automatisiert über Entladeroboter, welche die Behälter zu den Inputstationen bringen, die zur Zielermittlung mit Barcode-Scannern ausgestattet sind. 618 Carrier übernehmen die Behälter zum Transport, die nach erfolgter Verteilung auf gebremsten Rollenbahnen zur staudrucklosen Entnahme bereitgestellt werden. Sendungen, die aus der Briefkastenentleerung kommen, werden in der CFC (Culler-Facer-Cancelor)-Anlage getrennt, aufgestellt und gestempelt. Sendungen, die dicker als 5 mm und größer als C5 (max. 162 x 229 mm) sind, scheiden aus - alle übrigen werden auf Lage der Briefmarke bzw. Freimachung überprüft und mit zwei Stempelköpfen entwertet. Die Zahnung der Briefmarke oder das Streifenmuster machen es möglich, die Marke oder den Frei-machungsvermerk zu erkennen. Beim anschließenden Durchlauf durch die ILV (Integrierte Lese- und Videocodiermaschine) werden die Adressen maschinell gelesen. Insgesamt sind 10 dieser Maschinen zur Grobverteilung im Einsatz, die bis zu 36.000 Sendungen pro Stunde schaffen. Sollte eine Adresse nicht gelesen werden können, erfolgt die Eingabe der Postleitzahl in einer eigenen Abteilung händisch mittels Videocodierung. Dabei können bis zu 3.500 Adressen pro Stunde richtig zugeordnet werden, was höchste Konzentration der Ausführenden erfordert. Wir Besucher mussten uns hier beim Durchgang ganz leise verhalten, um ja nicht zu stören. In den nachfolgenden Feinverteilmaschinen werden die Sendungen entsprechend den Sortierprogrammen auf die Endziele verteilt. Dass die Zielinformationen aus dem Barcode der Grobverteilung bei der unglaublich hohen Briefdurchlaufgeschwindigkeit von bis zu 3,6 m/s einwandfrei gelesen werden und so zur Ausschleusung in das zugeordnete Fach führen, sorgte einmal mehr für unser höchstes Erstaunen. Die Briefstapel aus den jeweils einem bestimmten Postamt zugeordneten Fächern werden händisch entnommen, in Behälter geschlichtet und anschließend über Förderstrecken der Kommissionierung zugeführt. Die in der CFC-Anlage ausgeschiedenen "Flat"-Sendungen (max. 20 mm dick, bis 1000 g, max. B4/250 x 353 mm) und Großbriefe (bis 700 mm / l+b+h), max. 2000 g) werden separat bearbeitet und in Behältern über die integrierte Fördertechnik abtransportiert.

Schon sehr beeindruckt wechselte die Gruppe anschließend in das benachbarte Gebäude des im Sommer 2005 eröffneten Paketverteilzentrums, wo wir von Gerhard Zeilbeck, der im Qualitätsmanagement tätig ist, zu einem Einführungsvortrag und Rundgang in Empfang genommen wurden. Auch hier sind die Dimensionen beachtlich: In einer 11.500 m2 großen Halle wird hier das innovativste Logistikprojekt des Geschäfts-feldes Kurier.Express.Paket (KEP) umgesetzt. Wie eine riesige Indoor-Achterbahn wirken die silberblauen Förderbänder, auf denen sich Pakete aller Formen und Größen in langen Schleifen ihren Weg bahnen. Rund 85.000 Pakete, 5000 EMS-Sendungen und 24.000 Zeitungen und Werbesendungen werden pro Tag abgefertigt. Auch hier intelligente Software und Automation, die es ermöglichen, dass die Packerl wie am Schnürchen angeliefert, sortiert und weitergeleitet werden. Die Sendungen werden von den Postfilialen oder direkt von den Großkunden (hauptsächlich Versandhäuser) angeliefert und sofort entladen. Sodann werden sie manuell auf die 2,5 km lange Förderstrecke gehievt, durch Scanner registriert und mit 9,4 Stundenkilometern zu den jeweiligen Sortierkreisen befördert. Auf diese Weise werden 12.000 Pakete pro Stunde abgefertigt. Für Sperrgut gibt es einen eigenen Beförderungskreis mit manuellem Eingangs-Scan. Täglich werden rund 20.000 Packerl und 500 EMS-Sendungen unmittelbar von hier aus in die 190 Rayons in Wien, Niederösterreich und Burgenland zugestellt. Seit der Einführung des "Track & Trace"-Systems kann der Verlauf jeder Paket- und EMS-Sendung genau verfolgt werden. Dazu genügt die Eingabe des Identcodes auf der Homepage der Österreichischen Post AG, so ist der aktuelle Standort jedes Paketes einfach und rasch zu ermitteln. Mit den diversen Umstrukturierungen haben sich auch die Anforderungen an die Führungs-kräfte im Bereich Servicecenter/Verteilzentren geändert. Ein Team aus allen Hierarchie-ebenen hat daher ein Führungsleitbild erarbeitet mit dem Ziel, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der alle Mitarbeiter ihre Fähigkeiten voll einsetzen. Am Ende der mehr als vier Stunden dauernden Besichtigungen nahmen wir viele interessante Eindrücke und ein völlig neues Bild von "der Post" mit nach Hause.

R. J.

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