Verbandsreise "Südafrika"

Am Donnerstag den 24. April trafen sich 40 Personen (Mitglieder und Freunde des Verbandes) am Flughafen Schwechat zu der diesjährigen Verbandsreise, die innerhalb kürzester Zeit überbucht war. Selbstverständlich hatten alle Teilnehmer Malaria-Tabletten bei sich und die notwendigsten Impfungen durchgeführt. Als wir nach einem Nachtflug in Kapstadt ankamen warteten am Flughafen bereits unsere Reiseleiterin "Maja", eine geborene Südafrikanerin holländischer Abstammung und der Busfahrer "Sidney. Da sich bei unsere Ankunft das Wetter von der besten Seite zeigte und der berühmte Tafelberg kein sogenanntes Tischtuch (Wolkenschicht) übergebreitet hatte, überzeugte uns Maja, diese Bergfahrt sofort, mit dem Gepäck im Kofferraum, zu unternehmen. Man könne hier ja nie wissen ob der Berg auch am nächsten Tag noch so klar dasteht. Maja konnte aber unser, schon obligates Wetterglück nicht kennen, denn es gab in den zwei Wochen unserer Reise wieder einmal kaum einen Regentropfen, obwohl es vor unserer Ankunft bereits örtliche Unwetter gab. Mit der Seilbahn am Tafelberg angekommen, erwartete uns ein überwältigender Blick über Kapstadt und die Kaphalbinsel. Der 1087m hohe Berg ist auch ein Wahrzeichen von Kapstadt. Im Westen überragen seine "Zwölf Apostel" genannten Felsen die nahen Badeorte. Auf Grund seiner Lage zwischen Atlantik und der False Bay besitzt er ein eigenes Gebirgsklima mit hohem Niederschlag. Die besonderen klimatischen Bedingungen brachten eine außerordentliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren hervor. Nach dem anschließenden Zimmerbezug und einer kurzen Rast ging es an die Viktoria und Alfred Waterfront. Sie ist ein, San Fancisco nachempfundenes, Vergnügungsviertel im Hafengebiet und gehört zu den meistbesuchten Zielen Kapstadts. Durch die vielen Geschäfte, Musikkneipen, Restaurants und Bars sind hier die Menschen Tag und Nacht unterwegs. Auch wir hatten es ausgenützt. Hier gibt es auch das1995 eröffnete Two Oceans Aquarium, mit über 30 Becken und 300 verschiedenen Fischarten aus dem Indischen und Atlantischen Ozean gehört es zu den zehn besten der Welt. Zu den Hauptattraktionen zählt der zwei Millionen Liter fassende Open Ocean Tank, in dem unter anderen Haie, Yellowtails und Rochen wie im offenen Meer zu sehen sind. Mit all diesen Eindrücken ging der erste Tag trotz des Nachtfluges ohne aufkeimende Müdigkeit zu Ende.

Nachdem wir uns ausgeschlafen hatten ging es am nächsten Morgen zuerst nach Robben Island in der Tafelbucht. Seit 1997 ist diese Gefängnisinsel zum Symbol des Widerstandes gegen das System der Apartheid geworden und eine Touristenattraktion wie Alcatraz. Ende 1999 bekam die Insel gar den Status "Weltkulturerbe". Mehr als 3000 schwarze Widerständler wurden im Laufe der Zeit auf Robben Island interniert. Der Häftling mit der Nummer 466/64 war Nelson Mandela, der hier fast 20 Jahre lang lebendig begraben war. Seine Zelle im Block B ist heute die größte Attraktion von Robben Island. Weniger bekannte politische Häftlinge waren im Block G untergebracht, sie mussten in Gemeinschaftszellen mit bis zu 70 anderen Gefangenen dahinvegetieren. Im Februar 1997 trat die neue Verfassung offiziell in Kraft. Die Legislative der Republik Südafrika setzt sich aus zwei Kammern zusammen. Die Nationalversammlung (Parlament) ermittelt ihre max. 400 Abgeordneten durch allgemeine, direkte und geheime Wahlen im Fünfjahres-Rhythmus. Die Einwohnerzahl in Südafrika beträgt 43 Mio. davon 11% Weiße, 77% Schwarze und 12% Farbige und Asiaten. Seit dem Ende der Apartheid gibt es elf Amtssprachen davon 9 verschiedene Kulturen und Sprachen der Schwarzen. Nach der Erweiterung gibt es aber auch in der EU elf verschiedene Sprachen. In der Umgebung von Kapstadt leben ca. 100 000 Weiße. 50% der Südafrikanischen Bevölkerung sind unter 18 Jahre und es gibt einen großen Frauenüberschuss. Die Arbeitslosenrate liegt bei 30%, die Zahl der Analphabeten liegt bei 40% (das Schulgeld wurde trotzdem in den letzten 15 Jahren von 105 auf 5.500 Rand angehoben), die Rate der HIV positiven ist bereits auf 20% gestiegen und Hautkrebs haben 25%. Durch die starke Zuwanderung von Schwarzen gibt es um die Städte große Slumvierteln mit Bretterbuden. Auch der heutige Staat will sich die sozialen Bedürfnisse nicht leisten. Da Frauen die wichtigsten Arbeitskräfte in der Familie sind, werden diese heute noch vor der Hochzeit von Schwarzen verkauft. Je nach Volksstamm kostet eine junge Ehefrau zwischen einem und zehn Rindern. Nun wieder in der Stadt, zurück von den nüchternen Zahlen, unternahmen wir eine Rundfahrt durch den Stadtkern und einen Spaziergang durch den Company's Gardens mit seinen links und rechts angesiedelten Museen. Den Abend verbrachten wir natürlich wieder im Trubel der Waterfront.

Der nächste Tag führte uns zur Kaphalbinsel. Der erste Halt war in Boulders um die Kolonie der Brillenpinguine zu bewundern. Weiter ging es bis zum Kap der Guten Hoffnung wo wir trotz starkem Wind, der uns fast umwarf, zur Feier des Tages mit Sekt angestoßen haben. Anschließend fuhren wir noch mit dem sogenannten "Funicular" auf den 249m hohen Cape Point mit seinem alten Leuchtturm, bevor es in den Botanischen Garten "Kirstenbosch" ging, machten wir noch an einer Österreichischen Taverne Rast, wo es Brettljause, Bier und Wein gab. In Südafrika wachsen 24 000 Pflanzenarten, schon bei den Erikagewächsen wo in Österreich 4 verschiedene Arten wachsen sind in Südafrika sage und schreibe 600 Arten zu bewundern. Daran kann man schon den Pflanzenreichtum erkennen. Allein im Park sind über 20 000 der in Südafrika heimischen Pflanzenarten zu sehen. Maja erklärte uns aber auch, dass es im Lande viele nicht heimische Pflanzen gibt die den heimischen schaden und daher ausgerottet werden müssen.

Der heutige Tag ist vor allem dem Weinbau gewidmet aber auch der vielseitigen Geschichte Südafrikas. In Paarl steht das 57m hohe Afrikans Taalmonument. Es wurde 1975 eingeweiht und symbolisiert die Anteile Afrikas, der Niederlande und Englands am Entstehen der Sprache "Afrikans". In Franschhoek steht das Hugenot Denkmal, das 1938 zum Gedenken an die 250-jährige Besiedlung des Tales durch die Hugenotten gestaltet wurde. Die zentrale Figur ist eine Frau, die eine Bibel in der rechten Hand und eine zerbrochene Kette in der linken hält als Symbol für die Befreiung von religiöser Unterdrückung. Nach dem Kulturgeschichtlichen Teil geht es nun zum Wein. Bedingt durch das schöne Wetter stehen im Hof des Weingutes Boschendal bereits für jeden sechs gefüllte Gläser zur Weinprobe bereit. Nach der Verkostung und den erklärenden Worten ging es zu einem herrlichen Picknick in den Garten. Gut gestärkt besichtigten wir noch das Freilichtmuseum mit den Häusern und deren Einrichtungen aus dem 1800 Jh. Darunter das älteste Stadthaus Südafrikas aus dem Jahre 1709. Den Abschluss bildete wieder ein Besuch der Kellereien des Weingutes Neethlingshoof mit einer neuerlichen Weinverkostung. Selbstverständlich wurde auch Wein mitgenommen. Nach all den Verkostungen ging es gut gelaunt zurück in das Hotel. Die Farmen sind fast alle in der Hand der Weißen. Die großen Güter sind aber überwiegend im Eigentum Holländischer Nachkommen, da diese Güter immer nur an einen Erben weitergegeben wurden. Französische Farmer teilten die Güter zumeist unter allen Kindern auf. Die Arbeiter wohnen zumeist in kleinen Häuschen auf den Farmen und verdienen ca. 1300 - 1700 Rand (200 - 250 Euro). Derzeit ist ein neues Gesetz in Diskussion wo Farmarbeiter einen Mindestlohn von 3700 Rand erhalten sollen, abzüglich 10% für Verpflegung.

Heute verlassen wir Kapstadt. Zum Abschied brachte uns das Hotelpersonal noch ein Ständchen. Am Du Toits Kloof Pass begrüßte uns aber schon eine Pavianfamilie die gemütlich am Straßenrand ihren Spielereien nachging. Zwei Überraschungen gab es beim Mittagessen, erstens war es ein Lokal eines Steirers und zweitens wollte die Hausschlange mit uns spielen. Frau Hofer übernahm den Fall sofort und hängte sich die Schlage um den Hals. Wie wandert denn hier die Sonne? Es kam uns alles so verkehrt vor. Nein, die Sonne wanderte auch hier von Osten nach Westen, da wir uns aber unterhalb des Äquators befanden stand die Sonne zur Mittagszeit nicht im Süden sondern sie lachte von Norden - und das täglich. Nach dem Essen ging es zur Straussenfarm "Hoopers". Hier hörten wir vieles über die Zucht der Tiere, die Härte der Eierschalen und die Verarbeitung der Federn. Frau Stalzer probierte wie man auf einen Strauss sitzt und Herr Pölzgruber versuchte sich sogar als Straussenjockey. Nach der Ankunft in Wilderness konnten wir am Meer noch die untergehende Sonne betrachten. Um 18,30 Uhr war es bereits finster.

Der sechste Tag unserer Reise brachte wieder viele Tiere und Natur. Zuerst besuchten wir die "Cango Caves" eine eindrucksvolle Tropfsteinhöhle. In früheren Jahrhunderten diente die Höhle, in der ständig eine Temperatur von 18C herrscht, San als Unterschlupf. Davon gibt es noch Zeichnungen an den Wänden. Die Höhle besitzt mehrere riesige Räume mit eindrucksvollen Stalaktiten und Stalagmiten. Die größte Halle ist 70m lang, 35m breit und 17m hoch und bietet bis zu 1 000 Personen Platz. Anschließend ging es in die Krokodil- und Geparden Ranch. Auf der Tierfarm werden neben den Krokodilen auch Raubkatzen wie Löwen und Geparden gehalten. Einige unserer Damen ließen es sich nicht nehmen für einen Obolus die Geparden zu streicheln. Die Tiere hatten keinen Hunger, denn beim anschließenden Mittagessen konnte ich wieder alle TeilnehmerInnen sehen.

Auch der heutige Tag hatte Neues zu bieten. Mit dem Gepäck im Kofferraum ging es zum Bahnhof von George um mit dem "Outeniqua Choo Tjoe" in Küstennähe bis Knysna zu fahren. In der 2,5 Stunden langen Fahrt hatten wir sowohl einen schönen Blick über die Küstenlandschaft sowie über mehrere Austernbänke. Die hier gezüchteten Austern gelten als die besten Südafrikas. In Knysna, eine der Hauptzentren an der berühmten Garden Route angekommen wartete bereits ein Schiff auf uns um während des Mittagessens durch die herrliche Lagune von Knysna zu gondeln. Maja half noch beim einchecken und dann hieß es Abschied nehmen.

In Johannisburg angekommen erwartete uns bereits die 65 jährige Frau Anna Maria (Deutscher Abstammung), unsere Reiseleiterin für die nächsten Tage, die uns auch gleich zum Hotel in Pretoria führte.

Heute Vormittag gibt es eine Stadtrundfahrt durch Pretoria. Bereits 1855 gründete der Burengeneral Marthinus Wessel Pretoria und benannte es nach seinem Vater Anries Pretorius, der durch den Sieg in der Schlacht am Blood River die Voraussetzungen für eine eigenständige weiße Siedlung in Transvaal gelegt hatte. Seit 1860 ist Pretoria Hauptstadt von Transvaal und seit 1910 Regierungssitz der Südafrikanischen Union. Der erste Weg führte uns dabei zum Voortrekker Monument. Es wurde 1949 zum Gedenken an die Buren, die im letzten Jahrhundert in ein unbekanntes Gebiet vordrangen, errichtet. Ein 40m hoher Granitbau ruht auf einem 40x40m großen Sockel. Über Treppen gelangt man in die Heldenhalle, in der auf 27 Marmorreliefs, der große Treck (1838), dargestellt wird. Weiter ging es durch die Innenstadt wo man sehr stark die Problematik mit den arbeitslosen Schwarzen beobachten konnte. Unsere nächsten Stationen waren das im Oval gebaute Parlamentsgebäude mit seiner herrlichen Parkanlage und das Paul Kruger Haus. In diesem einfachen, in viktorianischen Stil errichteten Wohnhaus, dem ältesten und bekanntesten der Stadt, lebte Paul Krüger von 1883 bis 1900. Hier sind persönliche Gegenstände des ehemaligen Präsidenten von Transvaal und die Staatskutsche ausgestellt. Nun ging es über den 2149m hohen Long Tom Pass, wo uns eine gewaltige Nebelwand erwartete die auch den Ausblick zu den Mac Mac Falls verdeckte, weiter nach Sabie zur Übernachtung. Von jetzt an gibt es keine Hotels sondern herrlich angelegte Lodges.

Heute geht es in den Krüger Nationalpark. Vorher gibt es aber noch einiges zu sehen. Pilgrim Rest eine ehemalige Goldgräberstadt die sich heute als großes Freilichtmuseum mit vielen original eingerichteten Wohnhäusern, Geschäfte, dem Royal Hotel (hier kann man heute noch übernachten), der Bank sowie der Druckerei der "Pilgrim`s Rest & Sabie News". Der Blyderiver Canyon zeigte uns Potholes, das sind bizarr geformte Strudellöcher, Sie entstanden zu Zeiten, als der Fluss mehr Wasser, Sand und Geröll mit sich führte, die im Laufe vieler Millionen Jahre den weicheren Felsuntergrund ausgewaschen und verformt hatte. Am späten Nachmittag erreichten wir den Nationalpark wo wir uns die nächsten Tage aufhalten werden und die Spannung stieg auf den Höhepunkt, alle hatten doch bereits ihre Malariatabletten geschluckt, bedingt durch den trocken Sommer gab es aber keinerlei Stechmücken. Werden wir die "Big Five" (dazu gehören Elefanten, Nashörner, Büffeln, Leoparden und Löwen) sehen. Einige Kilometer weiter kamen bereits die ersten Überraschungen. Ganze Elefantenherden waren neben der Strasse, Giraffen wanderten quer durchs Land und ein Leopard verspeiste auf einem Baum ein gerissenes Impalas. Junge Hyänen und Impalaherden gab es noch als Draufgabe. Beeindruckt von dem bereits Gesehenen bezogen wir wieder in den Lodges unser Nachtquartier.

Der nächste Tag war nur der Wildbeobachtung gewidmet. Einige von uns fuhren mit Landrover über Sandstraßen um dem Wild näher zu kommen. Dabei konnten wir wieder Elefanten, Giraffen, Antilopen, Geparden, Hyänen aber auch Warzenschweine, Krokodile, Zebras, Flusspferde, Nashörner, Affen, Geier und viele weitere Vogelarten in freier Wildbahn beobachten. Aber wo findet man die Löwen? Der Tag ging zu Ende und wir bezogen wieder unsere Lodges. Für Südafrika ist der jährliche Regen lebenswichtig.

Nun kommt bereits der vorletzte Tag auf uns zu. Am Vormittag fuhren wir noch mit gezückten Kameras und Feldstechern durch den Park. Noch immer fehlt der 5 im Bunde - der Löwe. Schon ging es in Richtung Parkausfahrt - plötzlich ein Schrei einer Teilnehmerin "halt, halt ein Löwe". Nun sahen wir zwischen einigen Bäumen auch noch den heißersehnten Löwen, es war sogar ein Pärchen. Also hatten wir die "Big Five" doch alle gesehen. Nun konnten wir beruhigt zu unserem nächsten Abenteuer in die private Safari Lodges fahren. Nach einem Mittagsbuffet in der Anlage bezogen wir wieder unsere niedlichen aber komfortabel ausgestatteten Häuschen. Schon warteten Schwarze Ranger mit Landrover um mit uns eine Abendsafari zu unternehmen. Dabei ging es wirklich querfeldein um die Tiere aus nächster Nähe bei der Äsung beobachten zu können. Ein aufsteigendes Gewitter störte leider unseren anschließenden Grillabend, so musste das Abendessen auf der Terrasse eingenommen werden, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Eindrücke von zwei Wochen Südafrika lagen hinter uns. Südafrika lebt vom Regen, alle Flüsse zusammen führen ca. 20% von dem Wasser des Sambesiflusses.

Nun am letzten Tag hieß es noch einmal zeitig aus den Federn um die Schmutzwäsche und die diversen Einkäufe in den Koffern fluggerecht zu verstauen und das Frühstück einzunehmen, denn die Ranger warteten bereits wieder um mit uns eine Morgensafari zu unternehmen. Anschließend ging es leider wieder zum Flughafen um den Rückflug anzutreten. Der Nachtflug in Richtung Paris wurde nach den Schlafdefiziten der letzten Tage zum Ruhen genutzt. In Paris gab es noch einmal eine Rast bis zum Anschlussflug nach Wien und schon war wieder eine wunderschöne Reise zu Ende.

Als Reisebegleiter möchte ich mich hier noch bei allen Teilnehmern für die Kameradschaft und die vorbildliche Disziplin bedanken die bei einer derartig großen Gruppe unbedingt notwendig ist.

Reiseteilnehmer

Reiseteilnehmer beim Hugenot Denkmal in Franschhoek

Eisenkölbl

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