Landesstelle Wien/Niederösterreich

Produktionsbesichtigungen bei Schöller Bleckmann
mit Besuch im Stahlstadtmuseum Ternitz.

Wenige Schritte entfernt vom Wahrzeichen der Stadt, dem 75 Meter hohen Schornstein eines alten Dampfkraftwerks, liegt das Stahlstadtmuseum. Es erzählt von einer Stadt, die es ohne Stahl nicht gäbe. In den damaligen diversen Ortsteilen fand 1862 eine der ersten Industriealisierungen statt. Am 11. Oktober um 10.00 Uhr begrüßte uns Herr Dr. Sellhofer im Museum und führte uns die Entwicklung der Stadt Ternitz und der Schöller Bleckmann Stahlwerke vor Augen.

Nebst wirtschaftlichen Ausstellungsstücken sind auch die privaten, damaligen Lebensbedingungen hervorragend dargestellt. Selbst wie die Werker mit ihren Familien in den Werkssiedlungen lebten, konnten wir sehen. Nach ca. einer Stunde übersiedelten wir zur Firma Schöller Bleckmann Oilfield Industries (SBO), wo uns Herr Dr. Bernd Holger mit einem Mitarbeiter die Produktion vor Augen führten. SBO ist weltweit der einzige Anbieter, der sowohl in der Entwicklung hochfester amagnetischer Stähle für die Ölfeld-Service-Industrie, als auch im Bereich der metallurgischen Bearbeitung und Fertigung von Hochpräzisionskomponenten für die Richtbohrtechnologie tätig ist. Zu Beginn werden die zwischengelagerten 10 Meter langen Stahlstangen im Hammerwerk oberflächenverdichtet. Weiter ging es in die Bearbeitungshallen, wo die Stangen auf CNC-Maschinen gedreht, gebohrt und gefräst werden. Die von SBO mit der TU-Wien entwickelte Tiefbohrtechnologie ermöglicht Hochpräzisionsbohrungen mit kleinen Durchmessern und großen Tiefen. Zwischen den Bearbeitungsschritten werden die Teile mehrmals gerichtet, teilweise laserbeschichtet, geprüft und schlussendlich in Holzkisten verpackt zum Versand bereitgestellt. Nachdem wir uns im nahen Restaurant gestärkt und erfrischt hatten, wechselten wir zur Schöller Bleckmann Edelstahlrohr GmbH (SBER), wo uns Herr Ing. Ramser zunächst einen Werbefilm über die Firmenentwicklung zeigte. Überall, wo es um Temperatur, Druck und chemische Beanspruchung geht, werden Nahtlosrohre benötigt. Je nach Dimension des Endprodukts werden die Rohre mit unterschiedlichen Verfahren gefertigt. Beim folgenden Rundgang durch die Produktion wurde uns sowohl die Warm- wie auch die Kaltfertigung erklärt. Die Warmfertigung bei bis zu 1300°C ermöglicht Dimensionen von 60 bis 250 mm Durchmesser bei Wandstärken von 3 bis 25 mm. Hier kommt das Strangpressen zum Einsatz. Zunächst werden die vorgebohrten Vormaterialblöcke auf Aufweittemperatur von 1000 bis 1100°C erwärmt. In der Lochpresse wird ein Aufweitdorn in den Block gepresst. Durch die Nacherwärmung im Induktionsofen wird dem Block die verlorengegangene und für das nachfolgende Strangpressen erforderliche Wärme wieder zugeführt. Auf der Strangpresse wird der glühende Block vom Pressenstempel durch die Matrize über den Dorn gedrückt. Für weitere Durchmesserreduzierung wird dem gepressten Rohr im Rohrnacherwärmungsofen die für das nachfolgende Streckreduzieren erforderliche Wärme zugeführt. Die aus der Strangpresse kommenden Rohre können mittels Streckreduzierung auf kleinere Dimensionen weiterverformt werden

Die Kaltfertigung erlaubt auch die Herstellung von Abmessungen bis zu 6 mm Außendurchmesser. Beim Kaltpilgern geschieht die Werkstoffumformung durch ein Walzenpaar, das eine konische Kalibrierung aufweist und auf der Rohrluppe eine hin- und hergehende Bewegung ausführt. Im Inneren der Rohrluppe befindet sich ein Dorn. Weitere Vorteile der Kaltfertigung ist eine erstklassige Oberflächengüte und Maßhaltigkeit. Herr Ing. Ramser beantwortete abschließend geduldig alle angefallenen Fragen . Gegen 16.00 Uhr verabschiedeten sich die 20 Teilnehmer mit dem guten Gefühl, international erfolgreiche, österreichische Betriebe besichtigt zu haben.

Franz Karl, Ing. Rudolf Jakubcik

 

 

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