Amerikareise

Unsere Rundreise durch die US Bundesstaaten California, Arizona und Nevada war ein unvergessliches Erlebnis.
Zeitig am Morgen des 4. Mai trafen sich 28 Teilnehmer am Flughafen Schwechat um die diesjährige Reise über den großen Deich anzutreten. Schon am frühen Nachmittag (Ortszeit) erreichten wir mit der Swiss Air, nach mehr als 15 Stunden Reisezeit, unser erstes Reiseziel "Los Angeles". Hier trafen wir auf unsere Reisebetreuung, den schwarzhäutigen Busfahrer Sam und den deutschsprachigen Reiseleiter Keith Dalphin. Dabei lernten wir bereits die ersten Eigenheiten der Amerikaner kennen. Jedem Teilnehmer wird ein Gepäckstück vom Bus in das jeweilige Zimmer und wieder zum Bus gebracht. Daher darf im Kofferraum des Busses kein weiteres Gepäckstück aufbewahrt werden. Also musste das gesamte Handgepäck im Businnenraum untergebracht werden. Warum? Keine Ahnung.
Die ersten zwei Tage unserer Reise verbrachten wir in Los Angeles der größten Stadt des Bundesstaates California und seit 1984 die zweitgrößte der Vereinigten Staaten. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind der Down Town mit seinen Hochhäusern, die City Hall, das 1928 eingeweihte Rathaus das mit seinen 27 Stockwerken als erstes Gebäude die bis dahin für Los Angeles geltende Höchstgrenze von 13 Stockwerken überschritt. Wie in den meisten amerikanischen Städten leben auch hier die ethnischen Gruppen überwiegend in getrennten Stadtvierteln: Latinos leben im Down Town, Schwarze wohnen zumeist in Ghettos mit hoher Gewaltkriminalität südlich vom Down Town. Die Asiaten sind in Chinatown, Little Tokio und Koreatown zu Hause; während die meisten Weißen in Vororten wie Beverly Hills, Pacific Palisades, Westwood oder Santa Monica wohnen.
Beverly Hills wuchs erst dank der wachsenden Bedeutung der Filmindustrie im benachbarten Hollywood zur heutigen Größe. Mehr und mehr Filmgrößen siedelten sich an den breiten, baumbestandenen Straßen am Fuß der Santa-Monica-Berge an. Beverly Hills ist heute die reichste Stadt Amerikas. Deshalb durften auch wir mit unserem Bus nur auf den Hauptstrassen durchfahren. Auch als Fußgänger kann man hier verdächtig sein, sodass man auch jederzeit mit einer Ausweisleistung, gegenüber der Polizei rechnen muss:
Bei der Fahrt nach Hollywood sahen wir schon von weitem den berühmten Namensschriftzug mit einer Höhe von 16m der bei festlichen Anlässen auch hell erleuchtet ist. Bei einem kurzen Halt am Hollywood Boulevard konnten wir am Gehsteig die Sterne mit dem Namenszug bekannter Stars bewundern. Die Voraussetzung dafür ist, würdig zu sein, 3 000 Dollar zu bezahlen und bei der Einweihung anwesend zu sein. Hier steht auch das berühmte Chinese Theatre, dass nach wie vor die größte Sensation Hollywoods ist. Im Vorhof des Kinos sieht man die größte "Autogrammsammlung" der Welt. Fuß- und Handflächen von mehr als 200 Filmpersönlichkeiten. Im Allgemeinen konnte man in diesem Stadtteil aber nicht mehr viel vom einstigen Glanz sehen. Auch hier bekommt man den Kaffee in Papierbecher.
Als letzte Station ging es zum Observatorium im Griffith Park wo auch die Bronzebüste von James Dean zu sehen ist. Hier gab es auch einen herrlichen Ausblick auf Los Angeles.

Der zweite Tag in Los Angeles war den Universal Studios gewidmet. Nach einer 45 minütigen Rundfahrt durch die Studios mit den verschiedensten Kulissen und mehreren Spezialeffekten wie einem Erdbeben in der Metrostation oder einer Sturzflut bei einem Gewitterregen ging es in das große Entertainment Center.
Hier hatten wir zwar den ganzen Tag Zeit um den Park mit all den Attraktionen wie den Jurassic Park, dem Backdraft, der Waterworld, der Wild West Stunt Show, dem 3D Terminator Schwarzenegger und vieles mehr zu besichtigen. Als wir am Abend wieder abgeholt wurden waren zwar alle müde aber der selben Meinung, ein Tag zur Erforschung der Filmwelt ist fast zu kurz.

Nach einer Tagesfahrt über Barstow, der ehemaligen Goldgräberstadt und durch die Indianerregion auf der Strasse "sixtysix" mit der Übernachtung in Williams ging es weiter in Richtung Grand Canyon im Bundesstaat Arizona. Hier angekommen unternahmen einige Reiseteilnehmer einen beeindruckenden Hubschrauberrundflug über die vom Colorado geschaffene Schluchtenlandschaft. Das Farbenspiel der einzelnen Gesteinsschichten an den abgetreppten Wänden zeigen den Einfluss von 1,7 Milliarden Jahren Erdgeschichte. Anschließend, nachdem unser Bus beim Visitor Center, am Rande der Schlucht angekommen war, unternahmen wir eine sehr interessante Wanderung entlang der Kante des Grand Canyon. Dieses herrliche Stück Natur war der erste Höhepunkt unserer Rundreise und ließ die Fotoapparate sowie Kameras in Aktion treten. Dabei wurden eine menge Bilder geschossen und viele Meter Film belichtet.

Kaum hatten wir die Eindrücke des Grand Canyon verdaut ging es bereits nach Nevada in die Wüstenstadt Las Vegas, der weltbekannten Spielermetropole. Diese Stadt ist mit 110 000 Fremdenbetten und jährlich ca. 30 Mio. Besucher eine der wichtigsten touristischen Brennpunkte auf dem Globus.
In der Stadt angekommen wurde im Hotel "Circus Circus" Quartier bezogen. Nach einem für Amerika preiswerten Abendbüfett, durchstreiften einige das für 3800 Zimmer gebaute Hotel mit seinen Circusdarbietungen, den Vergnügungspark und natürlich dem kaum überschaubaren Angebot an Spieltischen und einarmigen Banditen. Das Ganze natürlich Vollklimatisiert, trotz einer Außentemperatur von 37 Grad Celsius. Ein anderer Teil unserer Gruppe wollte noch am selben Abend den Strip mit seinen vielen Attraktionen kennen lernen.

Am nächsten Tag war ein Ausflug zum Hoover Damm geplant. Auf der Hinfahrt besuchten wir noch das Naturwunder "Valley of Fire" mit seinen im Sonnenlicht glühend roten Sandsteinen. Bei einer kurzen Wanderung durch Sand und die seit 150 Mio. Jahren gebildeten Gesteinsformen konnten auch Felszeichnungen prähistorischer Indianer bewundert werden.
Es war schon eigenartig mitten in dieser wüstenähnlichen Landschaft auf einen tiefblauen Stausee mit 170km Länge und bis zu 152m Tiefe zu treffen, an dessen Ufern fast nichts wächst. Bei der anschließenden Besichtigung des Kraftwerkes konnten wir die Größe dieser, im Jahre 1935 erbauten Anlage bewundern. Der Staudamm ist 221m hoch in dem wir mit einem Aufzug in das Krafthaus mit den 17 Generatoren fuhren. Deren Leistung ist 1,920.000 Kilowatt.
Wieder in Las Vegas angekommen gab es eine abendliche Führung über den Strip. Diese führte uns zuerst in das 4 Milliarden Dollar teure Hotel "The Venetian" mit dem naturgetreu nachgebildeten Markusplatz, der Seufzerbrücke und dem Campanile sowie den Kanälen mit Gondoliere und einem künstlichen Himmel im Inneren des Hotels. Weiter ging es zum Hotel "Treasure Island" wo wir der Seeschlacht zwischen einer englischen Fregatte und einem Piratenschiff mit allen Tricks der modernen Pyrotechnik beiwohnen konnten. Beim "Hotel Bellagio" überraschte uns eine musikalisch untermauerte Wassershow. Zum Ausklang ging es noch zu einer Lichter-Show im Down Town um auch diesen Stadtteil kennen zu lernen. Diese Stadt mit ca. 30 Mio. Besuchern pro Jahr sprengt alle Superlativen und man kommt beim Anblick der riesigen Hotels mit dem Prunk und der Großzügigkeit sowie den dazugehörigen Spielcasinos unweigerlich zu der Vermutung "hier spielt Geld keine Rolle".

Die nächsten drei Tage sollten wieder der herrlichen Natur gewidmet werden. Als erster Punkt wurde der Nationalpark Death Valley (Tal des Todes) angesteuert. In der 230km langen und 26km breiten abflusslosen Senke mit seinem tiefsten Punkt von 85m unter dem Meeresspiegel erwartete uns am Talgrund, in der Furnace Creek Ranch eine Temperatur von 40 Grad Celsius. Ein kleines Museum zeigte uns kleine Gerätschaften und informierte über den Boraxabbau im 19 Jh. In den Jahren 1883 - 1888 wurden hier einige hunderttausend Tonnen des "Weißen Goldes" abgebaut und mit Maultiergespannen zum 265km entfernten Bahnhof gebracht.
Am darauf folgenden Tag steuerten wir den Sequoia & Kings Canyon Nationalpark an. Die beiden Nationalparks umfassen den eindrucksvollsten Abschnitt eines insgesamt 400 km langen Vegetationsgürtels auf einer Höhe von 1.200 - 2.400m. Hier beeindruckte vor allem die Dichte des Bestandes der Mammutbäume. Selbstverständlich besuchten wir auch den "General Sherman Tree" einen der gewaltigsten Mammutbäume. Obwohl noch nicht grau und zittrig wird sein Alter auf ca. 3 000 Jahre geschätzt, seine Höhe ist 83m und der Durchmesser des Stammes zur Höhe passende 11m. Für alle wanderlustigen Teilnehmer legte unser Reiseleiter noch einen kurzen aber scharfen Marsch im Bergsteigerschritt zum imposanten Tokopah Falls ein. Die herrliche Pflanzen- und Tierwelt kam bei diesem Tempo fast zu kurz.
Heute ging es durch den Yosemite Nationalpark in Richtung San Francisco. Der Park bedeckt einen wald- und gewässerreichen Abschnitt der westlichen Sierra Nevada. Vorbei an fast senkrecht aufragenden Granitwänden mit einigen Wasserfällen ging es zum 2.307m hohen Felsblock, dem "El Capitano" mit seiner majestätischen Form und seinen 100m hohen Wänden. Hier ist das eindrucksvollste Naturschauspiel der Yosemite Falls. Er stürzt in drei Absätzen aus einer Gesamthöhe von 740m herab. Damit gehören diese Fälle zu den höchsten der Erde. Hier gab es wieder eine längere Pause um dieses Naturschauspiel in uns aufnehmen zu können und um die Füße vertreten zu können. Anschließend wechselten wir wieder von der Natur in die städtische Umgebung und fuhren in Richtung San Francisco, wo uns für die Besichtigung zwei Tage zur Verfügung standen. Nach der Ankunft im Hotel wurde sofort die nähere Umgebung und Lokale, aufgeteilt in verschiedenen Aktivgruppen, erkundet. Im Laufe der Zeit lernte man auch die Art der Steuergebarung kennen. Alle Auspreisungen sind Nettopreise wobei man auf die vorgeschriebene Steuer und das jeweilige Trinkgeld nicht vergessen darf sonst gibt es eine böse Überraschung. Der Endbetrag ist zumindest um ein viertel höher.

San Francisco, die drittgrößte Stadt von Californien ist auch eines der beliebtesten Reiseziele in den Vereinigten Staaten. Das architektonische Gesicht der Stadt wird geprägt von einigen Wolkenkratzern in der City und den aus Holz gebauten viktorianischen Häusern in den Wohngegenden.
Bei einer Stadtrundfahrt ging es zuerst zu der sehr imposant dastehenden und im Jahre 1937 eingeweihten Golden Gate Bridge. Das Bauwerk überbrückt das 116m tiefe Golden Gate (Goldenes Tor), die Meerenge zwischen der Halbinsel von San Francisco und der Marin Peninsula. Die Gesamtlänge der Brücke beträgt 2,7km, ihre Breite 27m, ihre Höhe 67m über Mittelwasser, die Höhe der Pfeiler sind 227m. Für die Instandhaltung werden allwöchentlich zwei Tonnen rötliche Farbe benötigt.
Ein Fixpunkt war auch das 1887 erbaute Cable Car Kontrollzentrum. Der selbst antriebslose "Kabelwagen" wird mit Hilfe eines Greifers an ein in einem Führungskanal unter der Straßenoberfläche zwischen den Schienen verlaufendes endloses Stahlzugseil angehängt und lässt sich den steilen Strassen hinaufziehen (Steigungen bis 21%). Bei den Haltestellen und Linienkreuzungen lässt der Greifer das Seil los, um sich bei der Weiterfahrt wieder einzuhängen. Durch vier starke Bremsen ist die Sicherheit bei der Talfahrt gewährleistet. An der Endstation müssen die Wagen auf einer Drehscheibe gewendet werden. Diese Tätigkeiten führten nur starke Männer, vor allem aber Schwarze aus.
Nach einer Hafenrundfahrt bei der wir einen herrlichen Blick auf die hügelige Stadt bekamen durchstreiften wir das malerische Hafengebiet "Fisherman’s Wharf". Dieses Gebiet ist heute mit seinen diversen Unterhaltungsmöglichkeiten eher ein Rummelplatz. Im Maritime State Historic Park erinnern heute mehrere restaurierte Schiffe darunter ein Dreimaster erbaut 1895, ein Radfährdampfer von 1890 - 1957 im Einsatz an die Zeit, als der Hafen voller Segelschiffe war.
Selbstverständlich durfte auch ein Besuch auf der 5ha großen, 40m hochragenden und ca. 2,5km von der San Francisco Bay entfernten Gefängnisinsel "Alcatraz" nicht fehlen. Von 1933 bis 1963 war es das berüchtigtste und gefürchtetste Bundesgefängnis der USA. Selbst den unverbesserlichen Schwerverbrecher Al Capone gelang von hier kein Ausbruch. In den drei Jahrzehnten seines Bestehens saßen um die 1600 Häftlinge ein, aber nie mehr als 250 zur gleichen Zeit, obwohl 450Stk. drei mal anderthalb Meter große Zellen zur Verfügung standen.

Nun, nach der letzten Stadt unserer Reise ging es am Ufer des Pacific entlang zurück nach Los Angeles, aber einige Sehenswürdigkeiten standen auch in den restlichen zwei Tagen noch auf unserem Programm.
Der erste Halt war sogleich auf der sehr schönen Halbinsel Monterey mit dem größtem Seeaquarium der USA. Hier gab es mannigfaltige Beobachtungsmöglichkeiten von Küstenformationen, Wasserpflanzen, Fischen und vielen Meerestieren. Mitten unter den einheimischen Kindern konnten wir auch das Füttern der Meerestiere durch eine Taucherin bewundern.
Der nächste Halt war die "Mission San Carlos Borromeo". In den Jahren 1769 - 1821 entstanden unter dem spanischen König Carlos III. entlang der Pazifikküste von San Diego bis Sonoma 21 Missionsstationen der Franziskanermönche. Hier ist noch die spartanisch einfache Stube mit Holzbett und Schreibtisch zu sehen, von der aus Serra, der 1988 vom Papst Johannes Paul II. seliggesprochen wurde, die Oberaufsicht über die Missionsstationen führte und die Taufen von mehr als 5 000 Indianern überwachte. Daneben befindet sich die im maurischen Stil erbaute Kirche.
Unsere letzte Station war das traumhafte Schloss, das sich der Zeitungskönig William Randolph Hearst für seine Geliebte, der mittelmäßig begabten Filmschauspielerin Marion Davies, erbauen ließ.
Dieses traumhafte Schloss steht auf einem Hügel der Santa Lucia Berge mit dem Blick auf das fast 10km entfernte Meer. Das Haupthaus besitzt 31 Badezimmer, 14 Wohnzimmer, zwei Bibliotheksräume, ein riesiges Speisezimmer, ein Kino, eine Küche und eine große Halle. In drei anschließenden Gästehäusern gibt es insgesamt noch 46 Zimmer. Ein 32m langes Schwimmbad im Freien mit Marmor verkleidet vor der Kulisse einer griechisch-römischen Tempelfassade mit weißen Marmorstatuen sowie ein überdachtes römisches Bad auf dessen Dach zwei Tennisplätze Platz haben runden den imposanten Bau ab.

Nun geht es nur mehr zurück nach Los Angeles von wo wir nach einer letzten Nacht am jungen Kontinent wieder unseren Rückflug angetreten haben. Damit ging auch die zehnte, von mir organisierte, Reise zu Ende. Für mich persönlich war es bis auf einen Krankheitsfall wohl die problemloseste und durch die vielfältigen Sehenswürdigkeiten auch die gelungenste Reise.

Zum Schluss möchte ich mich noch einmal bei allen Teilnehmern für die zwanglose, harmonische Art und die hervorragende Disziplin während der zweiwöchigen Reise bedanken.

Eisenkölbl

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